Vom Servicetool zum Storytelling-Kanal

Daniela Vey untersucht den WhatsApp-Einsatz im Verlag

Die Verlagsbranche sucht nach neuen Wegen, um in einer zunehmend digitalen Welt ihre Zielgruppen zu erreichen. WhatsApp, bislang vor allem als privates Kommunikationsmedium genutzt, bietet Verlagen ungeahnte Möglichkeiten: von personalisierten Marketingkampagnen bis hin zur Community-Bildung. Doch wie lässt sich der Messenger gezielt und erfolgreich einsetzen?

Silke Modjesch, Organisatorin von Webinaren und Digitalevents beim DIGITAL PUBLISHING REPORT (dpr), und die Informationsdesignerin Daniela Vey beleuchteten in einem Webinar die Potenziale von WhatsApp für Verlage. Vey, Expertin für Web- und Social-Media-Strategien, zeigte praxisnah, wie Verlage den Kanal nutzen können, um Reichweite zu steigern und Nähe zu ihren Zielgruppen aufzubauen.

WhatsApp: Ein unterschätztes Kommunikationsinstrument  

WhatsApp ist der meistgenutzte Messenger-Dienst der Welt – und auch in Deutschland mit über 65 Millionen Nutzer:innen ein dominantes Medium. Besonders beeindruckend: Mit Öffnungsraten von bis zu 98 Prozent und einer aktiven Nutzung von durchschnittlich achteinhalb Stunden monatlich übertrifft WhatsApp klassische Kommunikationskanäle wie E-Mail deutlich. Die direkte Ansprache, hohe Öffnungsraten und die Verankerung im Alltag der Nutzer:innen machen die Plattform für Verlage äußerst attraktiv.

Die Herausforderung besteht jedoch darin, WhatsApp sinnvoll und strategisch zu nutzen. Insbesondere jüngere Zielgruppen unter 30 Jahren bevorzugen Messenger-Dienste zunehmend gegenüber E-Mails für Informationen und Marketingnachrichten. Für Verlage bedeutet dies, dass sie ihre Kommunikationsstrategien anpassen müssen, um diese Zielgruppen zu erreichen.

Einstiegsmöglichkeiten und Strategien für Verlage

Für Verlage gibt es zwei grundsätzliche Optionen, WhatsApp professionell zu nutzen: die kostenlose WhatsApp Business App für kleinere Verlage oder die kostenpflichtige WhatsApp Business Plattform (API) für größere Unternehmen. Während die App einfache Funktionen wie Begrüßungsnachrichten, Schnellantworten und Broadcast-Nachrichten bietet, erweitert die Plattform die Möglichkeiten erheblich – von Chatbots bis hin zu automatisierten Marketingkampagnen. Sie bietet zudem den Vorteil, DSGVO-konform zu sein, da die Daten auf europäischen Servern verarbeitet werden.

Daniela Vey empfiehlt, mit einer klaren Strategie zu starten. Verlage sollten sich fragen, welche Ziele sie mit WhatsApp verfolgen: Geht es um die Steigerung der Reichweite, die Bindung einer Community oder um direkte Verkäufe? Der Fokus sollte stets auf der Schaffung von Mehrwert für die Zielgruppe liegen. Denkbare Formate sind exklusive Einblicke in den Verlagsalltag, personalisierte Buchempfehlungen, Event-Reminder oder Servicenachrichten wie Versandupdates.

Erfolgreiche Ansprache und Community-Bildung

Der Aufbau einer Community über WhatsApp erfordert gezielte Maßnahmen. Bestehende Kommunikationskanäle wie Newsletter, Social Media oder die eigene Website eignen sich hervorragend, um auf den WhatsApp-Kanal aufmerksam zu machen. QR-Codes auf Flyern, Plakaten oder in Büchern können ebenfalls hilfreich sein. Wichtig ist jedoch, den Mehrwert klar zu kommunizieren: Exklusive Inhalte, Rabatte, persönliche Empfehlungen oder Einblicke hinter die Kulissen können potenzielle Abonnent:innen überzeugen.

Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Verlage eine Balance zwischen Frequenz und Qualität der Nachrichten finden. Zu häufige oder wenig relevante Nachrichten führen schnell zu Abmeldungen. Stattdessen sollten Verlage ihre Zielgruppen mit hochwertigem, personalisiertem Content ansprechen und Interaktion fördern – etwa durch Umfragen oder Quizformate.

WhatsApp im Praxiseinsatz: Beispiele und Best Practices

Zahlreiche Unternehmen und Institutionen nutzen WhatsApp bereits erfolgreich. Die New York Times setzt etwa auf kurze Nachrichten mit ansprechenden Bildern und Links zu weiterführenden Artikeln. Andere Beispiele zeigen, wie Umfragen, Sprachnachrichten oder Rabattaktionen zur Interaktion und Bindung beitragen können. Besonders effektiv sind personalisierte Nachrichten, die auf die Interessen und das Verhalten der Empfänger:innen zugeschnitten sind – ein Bereich, der durch den Einsatz von KI weiter optimiert werden kann.

Fazit

WhatsApp bietet Verlagen eine innovative Möglichkeit, Zielgruppen direkt und persönlich zu erreichen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in einer klaren Strategie, die den Fokus auf Mehrwert, Personalisierung und Interaktion legt. Ob als Marketing-Tool, Servicelösung oder Storytelling-Kanal – der Messenger kann, richtig eingesetzt, zu einem entscheidenden Baustein der digitalen Transformation in der Verlagsbranche werden.

Um langfristig erfolgreich zu sein, müssen Verlage eine Balance zwischen Frequenz und Qualität der Nachrichten finden. Zu häufige oder wenig relevante Nachrichten führen schnell zu Abmeldungen. Stattdessen sollten Verlage ihre Zielgruppen mit hochwertigem, personalisiertem Content ansprechen und Interaktion fördern – etwa durch Umfragen oder Quizformate.