Zwischen Vertrauen und Verwundbarkeit
Die Rolle der Medien in Zeiten hybrider Bedrohung
Während die Sorge vor gezielter Sabotage und Cyberangriffen in Deutschland massiv zunimmt, nehmen die Medien eine paradoxe Doppelrolle ein: Sie gelten einerseits als vergleichsweise wenig gefährdeter Sektor, sind aber gleichzeitig der wichtigste Ankerpunkt für verlässliche Informationen in Krisenzeiten. Eine repräsentative Umfrage des Digitalverbands Bitkom unter 604 Unternehmen zeichnet ein düsteres Bild der allgemeinen Resilienz, bietet aber auch spezifische Einblicke in den Sektor Medien und Kultur.

Published: 16.4.2026 | Photo / Video: AI generated, Freepik
Im Vergleich zu kritischen Infrastrukturen wie der Energieversorgung (90 Prozent) oder dem Finanzwesen (89 Prozent) wird die Branche Medien und Kultur von den befragten Unternehmen als am wenigsten gefährdet eingestuft. Nur 21 Prozent der Betriebe sehen diesen Sektor als besonders stark gefährdet an, durch hybride Angriffe lahmgelegt zu werden – der niedrigste Wert im Branchenvergleich.
Dennoch ist die Branche für das Funktionieren der Gesellschaft im Ernstfall essenziell. Bei der Frage nach der Auswirkung von Ausfällen zeigt sich ein differenziertes Bild:
Ein Ausfall der Medienlandschaft hätte für 22 Prozent der Unternehmen große Auswirkungen auf den eigenen Betrieb.
Im Krisenfall wird den Medien jedoch ein enormes Vertrauen entgegengebracht.


Die Medien als Fels in der Brandung?
Wenn hybride Angriffe – die sich laut Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst in einer „Grauzone zwischen Krieg und Frieden“ abspielen – die Stabilität gefährden, blickt die Wirtschaft auf die Informationsvermittler.
73 Prozent der Unternehmen vertrauen im Fall eines Angriffs auf die Informationen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
67 Prozent setzen auf die Berichterstattung privater Medien.
Damit rangieren Medienhäuser in der Vertrauensskala noch vor internationalen Organisationen wie der NATO oder Branchenverbänden. Sie fungieren als kritische Schnittstelle zwischen staatlichen Stellen und der breiten Öffentlichkeit.

Die Achillesferse: Das Internet
Die größte Bedrohung für alle Sektoren, einschließlich der Medien, bleibt ein großflächiger Internetausfall. Die Studie zeigt, dass die deutsche Wirtschaft hier extrem verwundbar ist: Im Schnitt können Unternehmen ihren Betrieb nur 20 Stunden ohne Internet aufrechterhalten.
21 Prozent müssten ihre Arbeit sofort einstellen.
Nur 3 Prozent der Unternehmen geben an, dauerhaft ohne Internet arbeitsfähig zu sein.
Ein Appell zur Resilienz
Trotz der zentralen Rolle der Information halten sich nur 12 Prozent der Unternehmen insgesamt für gut auf hybride Angriffe vorbereitet. Der Schutz vor Cyberangriffen und Sabotage sei zwar in 61 Prozent der Betriebe „Chefsache“, doch bei der Umsetzung konkreter Notfallpläne gebe es massiven Nachholbedarf.
Bitkom-Präsident Wintergerst fordert daher eine massive Steigerung der Resilienz. Für Medien bedeutet dies nicht nur den Schutz der eigenen Infrastruktur, sondern auch die Sicherstellung der Berichterstattung unter widrigsten Bedingungen – denn ohne sie fehlt der Wirtschaft in der Krise der wichtigste Kompass.
Welche Maßnahmen planen Sie in Ihrem Unternehmen, um die Kommunikation auch bei einem Ausfall der digitalen Infrastruktur sicherzustellen?